Negativ-Schlagzeilen für Minijobs: Ab wann ist ein Minijob problematisch?

Negativ-Schlagzeilen für Minijobs
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Beschämend für die Arbeitgeber: Vielen Minijobbern werden ihre Rechte verweigert, so das Ergebnis einer neuen Minijob-Studie

März 2017 – der Minijob ist wieder einmal in die Schlagzeilen geraten. Ausschlag hierfür gab eine Studie des Essener Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, die vom nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium in Auftrag gegeben wurde.

Insbesondere, wie sich die Lage der Minijobber hinsichtlich Urlaub und Feiertagsregelungen, Mindestlohn und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall darstellt, sind vielbeachtete Ergebnisse der Befragung. In diesem Beitrag haben wir zusammengefasst, was Sie über Ihre Rechte als Minijobber wissen sollten (wie sich die Situation für viele Minijobber in der Realität darstellt), wann Minijobs unproblematisch bzw. vielmehr positiv zu beurteilen sind, aber auch, wann ein Minijob problematisch sein könnte.

Trotz Rechtsanspruch auf bezahlte Urlaubstage und Feiertage, Lohnfortzahlung und Mindestlohn: Vielen Minijobber wird ihr Recht verweigert

Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in einer Minijob-Studie vom März 2017. So wird nur rund einem Drittel der Minijobber (29 Prozent) ihr Gehalt auch dann weiter bezahlt, wenn sie krankgeschrieben sind.

Noch schlechter sieht es im Hinblick auf bezahlten Urlaub aus, denn für weniger als die Hälfte (44%) der im Rahmen der Studie befragten Minijobber lief die Gehaltszahlung während ihrer Urlaubstage normal weiter. Noch weniger Befragten, nämlich 40%, wurden die arbeitsfreien Feiertage bezahlt.

Positiver sind die Befragungsergebnisse beim Thema Mindestlohn, der einem Großteil der Minijobber bezahlt wird: Das Durchschnittsgehalt für geringfügig Beschäftigte lag der Studie zufolge bei 10,63 Euro. Dass nichtsdestotrotz der Anteil derer, die unterhalb des gesetzlichen festgelegten Minimums bezahlt wurden, bei ganzen 12 % liegt, ist, so finden wir, beschämend für die Arbeitgeber.

Kennen Sie als Minijobber Ihre Rechte?

Die Leserkommentare zu den vielen Artikeln über die Studie sind zahlreich. Beispielsweise der von "Gustav87" auf Zeit.de ist repräsentativ:

Zitat"Ich hatte bis eben nicht die leiseste Ahnung, das ich als Minijobber Anspruch auf Urlaubstage oder gar Lohnfortzahlung im Krankheitsfall habe. Als Student habe ich diverse solcher Jobs gemacht (ist nicht lange her) und bei keinem Arbeitgeber etwas davon gehört."

Ähnlich äußert sich "infinitesimal" (ebenfalls auf Zeit.de):

Zitat"Ein Freund ist Werkstudent für mehr als ein Jahr in einem großen Unternehmen gewesen. Als er krank wurde und auf sein Recht bestand, wurde er schnellstmöglich gefeuert. Zunächst erzählten die Personaler ihm nur "Kein Student kriegt das. Wir können keine Ausnahmen machen" und als er mehrfach darauf hinwies, dass es sein Recht ist, wurde es stur ignoriert. Weil er hartnäckig blieb, hat man ihm am Ende das Geld mit subtilen Drohungen überwiesen. Als ich Werkstudent war, wollte man auch nichts darüber wissen."

Mit solchen Fragen bzw. Äußerungen werden wir nahezu täglich konfrontiert, denn viele Leser stellen uns per Mail oder telefonisch zu genau diesem Thematik eine Vielzahl von Fragen. Und wir antworten gleichlautend, nämlich dass Minijobber genau die gleichen Rechte haben wie alle anderen Arbeitnehmer. Es ist egal, ob Sie geringfügig oder sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind: Auch als Minijobber haben Sie Anspruch auf bezahlten Urlaub, auf Bezahlung Ihres Gehalts auch an arbeitsfreien Feiertagen, auf Lohnfortzahlung an Krankheitstagen, auf den Mindestlohn und vieles andere mehr, auf das ihre Kollegen Anspruch haben.

Für diese Nebenjobber sind Minijobs unproblematisch bis genial

Für viele Menschen sind Minijobs ein tolles Hilfsmittel, um ihre finanzielle Lage zu verbessern. Zum Beispiel für Schüler, Studenten und Rentner können Nebenjobs eine ideale Maßnahme sein, um unkompliziert und relativ verpflichtungsfrei nebenbei etwas Geld zu verdienen .

Doch das ist noch nicht alles: Nebenjobs können sich als geniale Türöffner für den Berufseinstieg erweisen. Zum einen können sich Jugendliche über einen Schülerjob bei ihrem potentiellen, späteren Ausbildungsbetrieb profilieren. Auf der anderen Seite kann ein Schülerjob oder ein Ferienjob auch enorm bei der beruflichen Orientierung helfen, denn ein Minijob kann die Marschrichtung vorgeben (oder manchmal auch genau das Gegenteil, nämlich vor Augen führen, was man gar nicht machen möchte).

Doch nicht nur Neueinsteigern ins Berufsleben bietet ein Minijob eine Einstiegschance in den Job. Auch Arbeitslose oder Hausfrauen bzw. Hausmänner, die über Jahre aus dem Arbeitsleben abgetaucht sind, können über eine Nebentätigkeit den berühmten "Fuß in die Tür stellen" und sich wieder ins Berufsleben integrieren.

Zudem bedeuten Minijobs, und das sollte bei der Betrachtung des Gehalts niemals außer Betracht gelassen werden, einen Verdienst, bei dem brutto fast netto entspricht, denn der auf 450-Euro-Basiss Beschäftigte muss Abzüge vom Gehalt verschmerzen.

Tipp Eine Beispielrechung, mit welchen Abzügen Sie bei einem Minijobber kalkulieren müssen, finden Sie in unserem Beitrag zum Thema Mindestlohn. Hier haben wir das Nettogehalt für den Minimalverdienst errechnet, was sich jedoch problemlos auch auf einen anderen Verdienst umrechnen lässt.

Die Ausübung eines Minijobs kann manchmal auch problematisch sein: In diesen Fällen sollten Sie Ihren Minijob hinterfragen

Doch es gibt, das ist unbestritten, auch andere Situationen, in denen ein Minijob nicht das erste Mittel der Wahl sein sollte, sondern es ganz im Gegenteil vielleicht besser sein könnte, auf mittlere oder lange Sicht einen anderen Weg einzuschlagen.

Denn es gibt immer auch Minijobber, die ihrem Zusatzjob nicht aus dem Grund nachgehen, um mehr zu verdienen oder um ihre Berufschancen auszuloten bzw. zu verbessern, sondern die schlicht und einfach darauf angewiesen sind. Richtig bedenklich ist die Lage, wenn der Minijob dazu dient, den Lebensunterhalt zu bestreiten – immerhin für rund fünf Millionen Minijobber ist dies laut DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Fall. Eine Rente für später, das sollte jedem klar sein, können Sie dadurch keinesfalls erwirtschaften.

Wenn Sie zwar keinen Hauptjob haben, aber Ihren Minijob ohne dringende Notwendigkeit, also mehr oder weniger "just for fun" ausüben, beispielhaft weil Ihre Lebensituation keine Nebenbeschäftigung erforderlich macht, ist es vermutlich absolut okay, wenn Sie sich gegen eine sozialversicherungpflichtige Beschäftigung entscheiden. Bedenken Sie aber auch, dass, wer erst einmal Minijobber geworden ist, oftmals über Jahre darin verweilt und mehr und mehr schwindende Aussichten hat, mehr daraus zu machen.

Wenn Sie sich eigentlich mehr vorgestellt haben als "nur" ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis, sollten Sie Bewegung in Ihren Nebenjob bringen – unter Umständen auch, indem Sie den Arbeitgeber Ihres Minijobs vor die Entscheidung stellen: "Entweder Sie können mir ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis anbieten oder ich bin gezwungen, mich umorientieren". Wenn Sie im Grunde keinen Minijob anvisiert haben, sondern vielmehr ein vollwertiges, sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, sollten Sie unbedingt daran festhalten und nicht langfristig in einem Minijob verharren.

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