Maximale Arbeitszeit: Wie viele Stunden im Nebenjob sind zusätzlich erlaubt?

Maximale Arbeitszeit bei Nebenjob und Hauptjob
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Ist es ein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz, wenn Sie nach Ihrem Vollzeitjob noch drei Stunden täglich einem Nebenjob nachgehen?

Auch die Arbeitszeit reiht sich in die Dinge ein, die in Deutschland durch gesetzliche Regelungen vorgeschrieben werden. Durch das Arbeitszeitgesetz werden die Rahmenbedingungen für die Gestaltung der betrieblichen Arbeitszeit festgelegt.

Besonders für die vielen Arbeitnehmer, die direkt nach ihrem Vollzeitjob noch ein paar Stunden bei einem anderen Arbeitgeber einen Nebenjob ausüben, sind die gesetzlichen Regelungen, die die Arbeitszeit begrenzen, von großer Bedeutung. Denn die Arbeitszeit von Hauptjob und Zweitjob werden zusammengerechnet und auch die Pausenzeiten müssen unter Berücksichtigung beider Jobs eingehalten werden.

Der Mindestlohn hat bei den Minijobs eine Arbeitszeit-Debatte ausgelöst

Grundsätzlich ist das Thema Arbeitszeit in Haupt- und Nebenjob immer schon von Bedeutung gewesen und die Grenzen hinsichtlich der maximal möglichen Arbeitszeit haben sich auch nicht geändert. Durch das Mindestlohngesetz jedoch sind Arbeitgeber seit 2015 dazu verpflichtet, für Minijobber detaillierte Stundenaufzeichnungen zu führen. Das sorgt (abgesehen vom bürokratischen Aufwand) für viel Verwirrung bei Nebenjobbern und bei deren Arbeitgebern.

Wir haben in der Vergangenheit eine Vielzahl von Zuschriften bekommen, in denen uns beispielsweise solche Fragen gestellt wurden:

ZitatIch arbeite im Nebenjob in der Gastronomie, sporadisch, wenn eine Veranstaltung stattfindet. Durch die Mindestlohn- und Arbeitszeitdebatte stellt sich mir die Frage: Darf ich zusammen mit Haupt- und Nebenjob wirklich nur zehn Stunden am Tag arbeiten?

oder

ZitatIch arbeite im öffentlichen Dienst und habe seit Jahren eine Genehmigung zur Nebenbeschäftigung als Aushilfsbedienung. Diese Tätigkeit führe ich unter der Woche zwei Mal (zwischen drei bis fünf Stunden) nach meinem Vollzeitjob aus. Am Wochenende arbeite ich nicht. Jetzt wurde mir mitgeteilt, dass ich dies durch die neue Regelung Vollzeitjob + Minijob nicht mehr dürfe. Laut DEHOGA dürfe man nach einem Vollzeitjob nur noch einen Minijob mit 2 Stunden pro Tag ausüben. Der Zoll würde nicht nur die Bezahlung von € 8,84 überprüfen, sondern auch die tägliche Arbeitszeit.

Lesen Sie im folgenden, wie lange Sie laut Arbeitszeitgesetz im Nebenjob tätig sein dürfen, nachdem Sie bereits acht Stunden in Ihrem Hauptjob gearbeitet haben.

Für Arbeitnehmer mit Hauptjob und Nebenjob gelten die folgenden Grenzen bei den Arbeitszeiten

Wörtlich heißt es im Arbeitszeitgesetz:

ZitatDie werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten.

Daraus ergibt sich:

  • Die maximale Arbeitszeit pro Woche beträgt 48 Stunden

Weiter heißt es:

ZitatSie [die werktägliche Arbeitszeit] kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Aus diesem zweiten Satz ergibt sich folgendes:

  • Eine (zeitweilige) Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 60 Stunden ist möglich, wenn innerhalb eines halben Jahres die Wochenarbeitszeit auf durchschnittlich 48 Stunden ausgeglichen wird.

Außerdem ist in einer Broschüre des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Thema Arbeitszeit zu lesen:

ZitatIm Durchschnitt acht Stunden – aber nicht mehr als zehn

Grundsätzlich also dürfen höchstens acht Stunden pro Werktag (= Montag bis Samstag) gearbeitet werden. Die Tages-Arbeitszeit darf auf bis zu zehn Stunden verlängert werden – hierbei wird allerdings vorausgesetzt, dass die verlängerte Arbeitszeit innerhalb eines Halbjahreszeitraums ausgeglichen wird.

Acht oder zehn Stunden: Wie lange dürfen Sie also längstens pro Tag arbeiten?

Tatsächlich ist die Verunsicherung groß. Wir haben mit der Hotline des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales über die arbeitszeitrechtlichen Regelungen gesprochen. Gemeinsam sind wir zu dem Fazit gelangt, dass das Arbeitszeitgesetz zwar am Grundsatz des Acht-Stunden-Tages festhält, die Arbeitszeit aber flexibel verteilt werden kann. Ohne weiteres kann also bis zu zehn Stunden (selbst an sechs Werktagen) gearbeitet werden, wenn innerhalb eines halben Jahres ein Ausgleich auf werktäglich acht Stunden erfolgt.

Das heißt also, dass die Wochenarbeitszeit maßgeblich ist. Bei einer 5-Tage-Woche beispielsweise bleibt entsprechend ein „Zeitpuffer“ von acht Wochenstunden (da acht Stunden an sechs Werktagen, also 48 Wochenarbeitsstunden in Ordnung gehen). Wer also nur an fünf Tagen in der Woche seinem Vollzeitjob nachgeht und im Anschluss an den Hauptjob noch vier Mal pro Woche jeweils zwei Stunden einem Nebenjob nachgeht, ist auf der rechtlich sicheren Seite, obwohl er ja im Grunde länger als acht Stunden am Tag arbeitet. Fazit: Eine Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit auf zehn Stunden ist möglich, wenn Sie die Pausenzeiten und die Ruhezeiten einhalten.

Ist das wirklich praktikabel: Höchstens zwei Stunden am Tag für den Nebenjob?

Mit den Fragen der beiden Leser, die wir eingangs beispielhaft angeführt haben, wird plausibel, dass eine tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden kaum zweckmäßig sein kann. Wenn acht Wochenarbeitsstunden für den Nebenjob in Konformität mit dem Arbeitszeitgesetz zur Verfügung stehen, würden manche Nebenjobber wahrscheinlich lieber an zwei Wochentagen drei oder vier Stunden „dranhängen“, anstatt an vier Wochentagen jeweils zwei Stunden ihrem Zweitjob nachzugehen.

Tipp Sofern Ihr Vollzeitjob auf einer Fünf-Tage-Woche basiert, können Sie (um mit dem Arbeitszeitgesetz konform zu gehen) den Samstag frei nutzen, um Ihrem Nebenjob nachzugehen.

Nicht ausschließlich, aber natürlich auch im Gastronomiegewerbe stellt sich die Frage nach der täglichen Höchstarbeitszeit. So fragt beispielsweise die DEHOGA-Geschäftsführerin Ingrid Hartges, ob das Arbeitszeitgesetz nicht an die Wirklichkeit angepasst werden müsse. Die DEHOGA beispielsweise regt an, die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn auf zwölf Stunden anzuheben. Es gehe dabei nicht um eine Verlängerung der Gesamtarbeitszeit, betont Ingrid Hartges.

Wahrscheinlich wäre es auch im Sinne aller Nebenjobber, wenn diese freiwillig länger als zehn Stunden am Tag arbeiten dürften, wenn dabei die maximal zulässige Arbeitszeit nicht überschritten würde – dies entnehmen wir zumindest aus den Zuschriften unserer Leser.

Achtung: Auch Pausenzeiten bzw. Ruhezeiten müssen zwingend beachtet werden

Zwischen Arbeitsende und dem Arbeitsbeginn müssen mindestens elf Stunden Ruhepause eingehalten werden. Fakt ist also: Ob Sie am Tag zuletzt im Nebenjob oder im Vollzeitjob arbeiten – nach Feierabend müssen Sie ohne Pause elf Stunden lang ausruhen.

Welche Konsequenzen hat es, wenn Sie die Grenzen hinsichtlich der Arbeitszeiten nicht einhalten?

Wenn Sie mit Haupt- und Nebenbeschäftigung zusammen die maximal möglichen Arbeitszeiten nicht einhalten, kann das unter Umständen schwerwiegende Folgen für Sie haben. Denn Ihr Hauptarbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden und kann Ihnen entsprechend Ihren Nebenjob verbieten.

Falls dies nicht der Fall sein sollte, drohen Ihrem Arbeitgeber zum Teil empfindliche Bußgelder.

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