So finanzieren Studenten ihr Studium: Mit BAföG, Eltern, Nebenjobs & Co.

So finanzieren Studenten ihr Studium:
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Wer studieren möchte, braucht Geld – und das längerfristig. So lässt sich ein Studium über Eltern, BAföG, Nebenjobs, Studienkredite - oder eine Kombination all dessen - finanzieren

Die Schullaufbahn ist gerade erfolgreich beendet, der Studienplatz gesichert, die Pläne für den Auszug in die erste eigene Wohnung oder das WG-Zimmer sind geschmiedet – was dem frisch gebackenen Studenten jetzt noch im Wege steht, ist vor allem die Finanzierung des neugewonnenen Studiums mit allem Drum und Dran.

Die allgemeinen Studiengebühren wurden in ganz Deutschland wieder abgeschafft; nur Langzeitstudenten müssen in einigen Bundesländern Gebühren bezahlen. Dennoch kommen auf Studenten, die nicht mehr bei den Eltern leben, eine ganze Reihe an Kosten zu, die sie zu Hause noch nicht tragen mussten. Neben Miete sowie Strom-und Wasserkosten gilt es noch, das Geld für den normalen Lebensunterhalt und gegebenenfalls Hobbies, Urlaube oder zum Beispiel Unterhalt und Versicherung eines Autos aufzutreiben. Welche Möglichkeiten zur Geldbeschaffung zur Verfügung stehen, können Sie im diesem Artikel nachlesen.

Die Finanzierung durch die Eltern oder durch BAföG sollen die Grundlagen schaffen

Unterhalt durch die Eltern

Eltern, die wirtschaftlich dazu in der Lage sind, sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre studierenden Kinder finanziell zu unterstützen. Wie hoch diese Unterstützung ist, hängt wiederum von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern ab – eine Summe von 735 Euro pro Monat ist seit dem Wintersemester 2016/2017 für einen Studierenden, der nicht mehr bei seinen Eltern wohnt, der Regelsatz laut der sogenannten "Düsseldorfer Tabelle". Diese Tabelle ist maßgeblich zur Berechnung des Unterhalts für Kinder und wird regelmäßig vom Oberlandesgericht Düsseldorf angepasst.

Wichtig Zwar sind die Eltern zum Unterhalt ihrer studierenden Kinder verpflichtet, im Umkehrschluss heißt dies aber nicht, dass man sich auf diesem finanziellen Polster ausruhen darf: Das Studium muss planvoll und zielstrebig aufgenommen und durchgeführt werden und in angemessener Zeit beendet sein, so ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Anderenfalls verringert sich der Unterhaltsanspruch gegen die Eltern – oder erlischt sogar ganz.

Staatliche Finanzspritze durch BAföG

Da längst nicht alle Eltern in der Lage sind, Geld in dieser Höhe für ihren studierenden Nachwuchs bereitzustellen, gibt es das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) - und das übrigens schon seit dem Jahr 1971. Auch hier liegt der Orientierungswert und gleichzeitig die Höchstgrenze bei 735 Euro.

Das staatliche Fördergeld wird zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Staatsdarlehen gezahlt und wird beim Studentenwerk der Hochschule, an der der Student immatrikuliert ist, beantragt. Das Darlehen (also die Hälfte der Zahlungen, die geflossen sind) muss fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer zurückgezahlt werden, wobei die Höchstgrenze für das zurückzuzahlende Geld bei 10.000 Euro liegt.

Wenn Eltern-Sponsoring und BAföG nicht ausreichen, hilft oft nur ein Nebenjob

Finanzspritze
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Dass Studenten im Regelfall nicht gerade im Geld schwimmen, ist hinlänglich bekannt. Die eingangs benannte Summe von 735 Euro klingt vielleicht zunächst hoch, aber abzüglich der Miete und anderer Fixkosten müssen viele Studenten schon deutlich vor Monatsende jeden Euro zweimal umdrehen. Und so kommt es, dass rund zwei Drittel aller Studenten einen Nebenjob haben. Einige Studenten sind auch während der Vorlesungszeiten auf diesen Nebenverdienst angewiesen, vor allem aber sind es die vorlesungsfreien Zeiten während der Semesterferien, in denen sich viele Studenten das benötigte Geld hinzuverdienen – eine Parallele zu den vielen Schülern, die während der Ferien ihr Taschengeld aufbessern.

Dies können klassische Studentenjobs wie Kellnern, Promotion oder Nachhilfe geben sein. Hilfreich für die Zukunft sind aber vor allem Nebenjobs, die schon für den späteren Beruf qualifizieren, wie beispielsweise als freier Mitarbeiter bei einer Zeitung, als Werkstudent oder als Programmierer. Die besten Studentenjobs haben wir im Artikel Die 30 besten Studentenjobs: Geld verdienen neben dem Studium zusammengestellt.

Doch unabhängig davon, für welchen Nebenjob Sie sich entscheiden, wichtig beim nebenbei Geld verdienen ist, dass der Nebenverdienst höchstens 450 Euro monatlich betragen darf. Wer jünger als 25 Jahre alt ist, hat für gewöhnlich das Recht, über die Familienversicherung der Eltern krankenversichert zu sein – allerdings darf der Studierende auch hierbei eine gewisse Oberverdienstgrenze nicht überschreiten. Detaillierte Infos zum Thema Minijob und Krankenversicherung können Sie im Ratgeber Minijob und Krankenversicherung nachlesen.

Die allgemeinen Regeln, die Studenten bei Nebenjobs zu beachten haben, finden Sie hier: Welche Regelungen Sie als Student bei Ihrem Nebenjob beachten sollten

Stipendien: Ein vielfältiges Angebot an Förderaktionen, die nicht nur Studenten mit guten Noten unterstützen

Stipendien sind im allgemeinen Fördergelder, die Menschen von verschiedenen Organisationen, Unternehmen und Institutionen aus verschiedenen Gründen zugesprochen werden. Die Länge und Höhe des Stipendiums variieren hierbei sehr, im Durchschnitt erhalten Studenten mit Stipendium 305 Euro im Monat. Das Vorteilhafte hierbei: Ein Stipendium muss, im Gegensatz zu BAföG oder Studentenkrediten, nicht zurückgezahlt werden.

Der Mythos, dass nur überdurchschnittlich gute Studenten oder Schulabsolventen ein Stipendium ergattern können, ist schlichtweg falsch – Kirchen, Gewerkschaften, Parteien und Firmen fördern auch junge Menschen, die sich beispielsweise sozial oder politisch besonders engagieren oder die gesellschaftlich, sozial oder gesundheitlich benachteiligt sind.

Für Studierende im Ausland gibt es das Erasmus-Förderprogramm. Dass nur drei Prozent der Studenten in Deutschland zurzeit ein Stipendium erhalten, liegt wohl vor allem auch daran, dass viele zukünftige Studenten diese Finanzierungsmöglichkeit gar nicht erst in Betracht ziehen.

Tipp Einen Überblick über die Möglichkeiten, die sich in Form eines Stipendiums bieten, zeigt zum Beispiel auch die Stipendiendatenbank des Bildungsministeriums für Bildung und Forschung.

Letztes Mittel: Ein Studienkredit – für alle, bei denen Bafög und Elternunterhalt nicht ausreichen und für die weder Nebenjob noch Stipendium in Frage kommen

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Eines vorweg: Um das gesamte Studium zu finanzieren, ist ein Studienkredit in der Regel nicht geeignet. Denn in Deutschland sind als Einkunftsquellen für die meisten Studenten Eltern, BAFöG, Nebenjobs oder Stipendien vorgesehen. Oftmals wird ein Kredit in den Fällen in Anspruch genommen, wenn ein finanzieller Engpass entstanden ist oder aber, weil man sich vor wichtigen Zwischen- oder Abschlussprüfungen nur noch auf das Studium, nicht aber auf die Finanzierung dessen fokussieren möchte. Am sinnvollsten ist es, einen Studienkredit als Ergänzung, nicht aber zur Vollfinanzierung des Studiums in Betracht zu ziehen.

Im Folgenden finden Sie vier gängige und günstige Finanzierungsmöglichkeiten für ein Studium – einige sind sogar gänzlich zinsfrei. Es gibt natürlich noch viele weitere Finanzierungsvarianten durch andere (auch private) Institutionen.

KfW-Studienkredit

Die staatliche KfW-Bank bietet Kredite mit Konditionen speziell für Studenten an. Die KfW finanziert die Lebenshaltungskosten während des Studiums – und das unabhängig vom Einkommen des Studierenden oder dessen Eltern und ohne dass Sicherheiten geleistet werden müssen. Je nach Alter, können bis zu 14 Semester gefördert werden – das ist die so genannte Auszahlungsphase. Die monatlichen Auszahlungsbeträge liegen zwischen 100 und 650 Euro und sind beispielsweise auch mit BAföG kombinierbar. Anschließend, nach einer tilgungsfreien Karenzzeit von 18 (auf Wunsch auch sechs) bis zu maximal 23 Monaten, beginnt die Tilgungsphase, innerhalb derer das Darlehen in monatlichen Raten bzw. Annuitäten (= Zins + Tilgung) zurückgezahlt wird. Für die Rückzahlung wird den ehemaligen Studenten einiges an Zeit gelassen: Bis zu 25 Jahren bzw. bis zum Alter von 67 Jahren muss das Darlehen getilgt sein.

Bildungskredit des Bundesverwaltungsamts (BVA)

Die Bundesregierung gewährt nicht nur das Fördermittel BAföG, sondern auch einen vom Vermögen der Eltern unabhängigen Kredit von 1.000 bis zu 7.200 Euro. Der Kredit, bei dem Monatsraten von wahlweise 100, 200 oder 300 Euro ausgezahlt werden, läuft über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren, der Zinssatz jedoch ist hochattraktiv, denn er liegt unter dem für den KfW-Studienkredit.

Info Ein Anspruch auf Gewährung des günstigen Bildungskredits durch das BVA besteht allerdings nicht, denn die Fördermittel sind begrenzt.

Der Bildungskredit kann von Studenten, die jünger als 36 Jahre alt sind und weniger als zwölf Semester absolviert haben, in Anspruch genommen werden – für Langzeitstudenten ist dieser Kredit also nicht geeignet. Für Neustudierende ist der Bildungskredit ebenso wenig gedacht, denn er kann (unter anderem) nur von Studenten beantragt werden, die bereits eine Zwischenprüfung in ihrem Studiengang abgeschlossen haben oder, bei Absolventen von Bachelor-Studiengängen, die die üblichen Leistungen der ersten beiden Studiensemester erbracht haben.

Vier Jahre nach der Fälligkeit der ersten Auszahlung beginnt die Rückzahlungsphase, bei der monatliche Beträge von feststehend 120 Euro geleistet werden müssen – und das (anders als bei KfW-Studienkredit) unabhängig vom Einkommen.

Daka und Co.: Studiendarlehen der Studentenwerke

Wer sein Studium durch ein Darlehen finanziert, muss in der Regel Zinsen zahlen. Eine Ausnahme von dieser Regel stellen die Studiendarlehen der Studentenwerke dar, denn diese werden zinslos gewährt.

Normalerweise sind sie dazu gedacht, in der arbeitsintensiven Examensphase dabei zu helfen, dass sich die Absolventen ganz auf ihren Abschluss konzentrieren können. Viele Studentenwerke in Deutschland haben solche Darlehenskassen eingerichtet, die Daka Darlehenskasse der Studierendenwerke e.V. beispielsweise ist eine solche Einrichtung in Nordrhein-Westfalen (sie arbeitet aber auch mit Kooperationspartnern in Nicht-NRW-Ländern wie dem Studentenwerk Frankfurt am Main zusammen).

Daneben gibt es solche Darlehenskassen der Studentenwerke in vielen weiteren Städten in Deutschland - unter anderem in München, Berlin, Hamburg, Bremen, Dresden, Leipzig und an vielen anderen Orten.

Nicht nur zum Studienabschluss: Auch wenn während des Studiums eine finanzielle Notlage entsteht, hilft unter Umständen das Studentenwerk

Auch wenn die Finanzierung des Studiums durch BAföG, Eltern oder Nebenjobs gesichert ist – es gibt Situationen, in denen Studenten ohne eigenes Verschulden in eine kurzfristige finanzielle Bedrängnis kommen können. Dabei muss es sich um außergewöhnliche Umstände handeln, die zur finanziellen Notlage geführt haben, die eigentliche Studienfinanzierung muss gewährleistet sein. Auch in solchen Notsituationen ist es möglich, dass die Darlehenskassen der Studentenwerke einspringen und hilfsbedürftige Studenten mit einem Überbrückungsdarlehen unterstützen. Ein Anspruch auf ein solches (zinsloses) Studiendarlehen besteht allerdings nicht.

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