Muss ich für meinen Nebenjob ein Gewerbe anmelden? Und kann ich das auch rückwirkend machen?

Gewerbeanmeldung für den Nebenjob
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Die Möglichkeiten, um nebenbei Geld zu verdienen, sind durch das Internet unglaublich vielseitig geworden. Brauchen Sie für solche Nebenjobs eine Gewerbeanmeldung? Lässt sich ein Gewerbe auch rückwirkend anmelden?

Nicht jedem, der einen selbstständigen Nebenjob startet, ist dieser Sachverhalt tatsächlich bewusst – zumindest von Beginn an, also wenn er die neu entdeckte Nebenverdienst-Quelle erstmals ausprobieren möchte. Ob man sich sein Handy schnappt und sich aufmacht, mit verschiedenen kleinen Auftragsarbeiten Geld zu verdienen, ob man Umfragen beantwortet, Webseiten testet, kleine Auftragsarbeiten als Crowdworker am PC erledigt oder Selbstgemachtes (bzw. andere Produkte) auf Online-Marktplätzen verkauft oder etwa Kurse bei Udemy anbietet etc. – vielen ist nicht bekannt, dass sie diesen Nebenerwerb als Gewerbetreibende erwirtschaften.

Für einen kleinen Nebenerwerb ein Gewerbe anmelden – ist das wirklich notwendig?

"Ich möchte doch nur ein bisschen Geld nebenbei verdienen, ich will mich doch gar nicht selbstständig machen!" - dieser Einwand klingt logisch, insbesondere für all die engagierten Menschen, die doch im Grunde nichts weiter als einen kleinen Nebenverdienst ansteuern.

Gewerbe anmelden dagegen, das klingt kompliziert und nach Konsequenzen. Dass es sich so nicht verhält, haben wir ausführlich in unserem Artikel Für den Nebenjob ein Gewerbe anmelden: Das müssen Sie wissen beschrieben. Dennoch glauben viele Nebenjobber, dass eine Selbstständigkeit eine gut durchdachte Existenzgründung voraussetzt – unter Umständen sogar mit detailliertem Businessplan und Gründungsfinanzierung. Und so etwas hat doch wohl eher nichts mit einem verpflichtungsfreien Nebenjob als Handyjobber, Onlinejobber oder Crowdworker zu tun, könnte man meinen.

Ab wann sind Sie mit einem Nebenjob selbstständig tätig?

Menschen mit den erwähnten Online-Nebenverdiensten oder Nebenjobber, die keinen Arbeitsvertrag abgeschlossen haben, sondern die ihren vermeintlichen "Arbeitgebern" Rechnungen für ihre Arbeitsleistung schreiben, sind de facto selbstständig tätig. Und genau das setzt die Anmeldung eines Gewerbes voraus (es sei denn, es handelt sich um eine freiberufliche selbstständige Tätigkeit).

Sie verdienen bereits seit längerem Geld, ohne dass Sie hierfür ein Gewerbe angemeldet haben? Wir sprachen mit der IHK über dieses Thema

Robert Semhow, der bei der IHK Lübeck für den Bereich Existenzgründung und Unternehmensförderung zuständig ist, äußerte sich zu dieser Situation und gab Tipps, wie Sie sich richtig verhalten können. Robert Semhow legt selbstständig arbeitenden Nebenberuflern ans Herz, dass sie, wenn sie mit der Tätigkeit Geld verdienen möchten, zeitnah Gewerbe anmelden sollten. Übrigens seien die nebenberuflichen Gewerbeanmeldungen in der Mehrzahl, erfuhren wir in unserem Gespräch mit der IHK.

Der entscheidende Faktor, er eine Anmeldung erforderlich macht, die bloße Absicht, nachhaltig Gewinn erzielen zu wollen. Ob im Anschluss tatsächlich mit dem angemeldeten Nebenberuf Geld verdient wird oder nicht, spielt letztlich keine Rolle. Ohne Gewerbeanmeldung jedoch betreiben Sie Schwarzarbeit, so Robert Semhow.

Wenn Sie ein Gewerbe angemeldet haben und keinen Gewinn erzielt haben, geht das völlig in Ordnung, betonte Semhow abschließend. Sie tragen dann ganz einfach in Ihrer Steuererklärung einen Gewinn in Höhe von 0 Euro ein – fertig!

Was können Sie tun, wenn Sie es bisher versäumt haben, ein Gewerbe anzumelden?

Es gibt viele solcher Fälle, dass zunächst einmal der neue Job ohne Gewerbeanmeldung in Angriff genommen wurde, der Verdienst sich von anfangs vielleicht 20 Euro von Monat zu Monat steigert, bis man bei einem Monatsverdienst von 300 Euro regelmäßig angekommen ist und feststellt, dass man gar nicht weiß, wie dieser Zusatzverdienst abgerechnet werden soll. Oder aber es wurden aus Unwissenheit Rechnungen ausgestellt, ohne dass man offiziell Kleingewerbetreibender war.

Eine rückwirkende Gewerbeanmeldung ist in der Regel unproblematisch

Streng genommen liegt solchen Fällen eine Ordnungswidrigkeit vor, die mit einem Bußgeld belegt werden kann. Denn die Gewerbeordnung sieht für den Fall einer verspäteten Anmeldung eine Geldbuße vor. Dennoch sehen die meisten Behörden ganz im Sinne von "Gnade vor Recht" von der Verhängung eines Bußgeldes ab, ganz besonders, wenn es sich um Kleingewerbetreibende handelt.

Sie sollten also nicht gleich vor Angst erstarren, wenn Sie feststellen, dass Sie eine rechtzeitige Gewerbeanmeldung versäumt haben. Nehmen Sie die Gewinne, die Sie gemacht haben zum Anlass nimmt, quasi rückwirkend Gewerbe anzumelden – in der Regel bekommen Sie hierbei keine Schwierigkeiten, denn in der Praxis hat sich ein mehr oder weniger großer zeitlicher Toleranzspielraum (bei einer rückwirkenden Anmeldung sind zwei bis drei Monate Versäumnis bei vielen Ämtern noch in Ordnung) im Umgang von Gewerbeanmeldungen von Kleingewerbetreibenden entwickelt.

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