Minijob und Rente: Lohnt es sich, bei einem Minijob in die Rentenversicherung einzuzahlen?

Zuschuss zu Fahrtkosten bei einem Minijob, Kilometergeld, Krankengeld, Ferienjob + Urlaubsanspruch, Midijob-Verdienst unter 450 Euro: Ihre Fragen, unsere Antworten
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Diese Frage muss jeder Minijobber gleich zu Beginn beantworten – lesen Sie, in welchen Fällen sich eine Rentenversicherung auszahlen kann.

In die Rentenversicherung einzahlen: Ja oder Nein? Vor dieser Entscheidung steht relativ schnell jeder, der einen neuen Minijob gefunden hat, denn innerhalb von sechs Wochen muss er sagen, ob er in die Rentenversicherung einzahlen möchte oder lieber darauf verzichten möchte.

Und obwohl das Thema Rente immer schwerer verdaulich ist, überall auf die drohende Altersarmut aufmerksam gemacht wird und viele der Diskussion gern aus dem Weg gehen, weil sie es als besorgniserregend empfinden: Tatsache ist, dass sich 80 Prozent der Minijobber dagegen entscheiden, freiwillig Rentenversicherungsbeiträge auf ihren Verdienst zu zahlen.

Dreamteam Minijob und Rentenversicherung? Manchmal schon!

Dieses Nein zur freiwilligen Rentenversicherung erscheint zumindest bei einem Minijob absolut nachvollziehbar. Denn bei dem maximalen Verdienst von 450 Euro kommen jeden Monat 16,65 Euro weniger auf dem Konto an. Auf diesen Betrag möchte kaum jemand verzichten, zumal der rein finanzielle Rentenzugewinn auf den ersten Blick schon fast lachhaft erscheint.

Doch die Entscheidung für die Rentenversicherungsfreiheit im Minijob kann definitiv auch Nachteile mit sich bringen. Denn es gibt Personengruppen und Lebenssituationen, für die - bzw. in denen - es sich lohnt, den Rentenversicherungsbeitrag aus eigener Tasche aufzustocken, um im Gegenzug profitable oder sogar elementare Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung in Anspruch nehmen zu können.

Minijobs sind im Grundsatz eigentlich rentenversicherungspflichtig

Bis Januar 2013 war das anders, denn bis dahin waren Minijobs auf 450-Euro-Basis generell sozialversicherungsfrei. Seit der Neuregelung 2013 jedoch sind diese Beschäftigungsverhältnisse grundsätzlich rentenversicherungspflichtig – das heißt, dass volle Rentenversicherungsbeiträge fällig werden, die allerdings wohlbemerkt zum überwiegenden Teil vom Arbeitgeber getragen werden.

Alle Minijobber haben allerdings die Möglichkeit, auf die Rentenversicherungspflicht zu verzichten, hierfür muss einfach nur ein entsprechender Antrag beim Arbeitgeber gestellt werden. Und wie eingangs bereits beschrieben: Die meisten Minijobber lassen sich von der Pflicht zur Rentenversicherung befreien, eben auch weil es einen finanziellen Gewinn auf dem Konto bedeutet - zumindest in der Momentaufnahme.

Was kostet es, den Beitrag zur Rentenversicherung aus eigener Tasche aufzustocken?

Der Arbeitgeber zahlt den pauschalen Rentenversicherungsbeitrag von 15 Prozent auf das Gehalt aus einem Minijob. Da der gesetzliche Rentenversicherungsbeitrag zurzeit bei 18,7 Prozent liegt, übernimmt der Arbeitnehmer als Eigenanteil die Differenz in Höhe von 3,7 Prozent. Wer mit einem Minijob die vollen 450 Euro verdient, bezahlt für die Rentenversicherung auf eigene Kosten monatlich 16,65 Euro.

Wichtig Wer als Minijobber in einem Privathaushalt arbeitet, muss einen höheren Eigenanteil leisten, denn für private Arbeitgeber beträgt der pauschale Rentenversicherungsbeitrag nur 5 %. Der Minijobber zahlt also 13,7 % (61,65 Euro) monatlich.

Es kann erhebliche Vorteile bringen, auch mit einem Minijob Ansprüche in der Rentenversicherung zu erwerben

Natürlich ergibt sich durch die Zahlung eines eigenen, freiwilligen Beitrags ein Rentenplus – doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn die aus einem Minijob resultierende geringe Einzahlungshöhe führt dazu, dass sich der Rentenzuwachs in relativ engen Grenzen hält: Wer im Monat die vollen 450 Euro verdient, erhält für jedes Jahr, das er im Minijob arbeitet, monatlich rund 4,50 Euro mehr Rente.

Viel schwerer als der finanzielle Hinzugewinn können andere Aspekte wiegen, die aus der Zuzahlung aus eigener Tasche einen lohnenswerten Deal machen. Denn Minijobber, die den vollen Beitragssatz leisten, profitieren unter anderem wie folgt:

  • Sie sammeln vollwertige Pflichtbeitragszeiten in der Rentenversicherung. Insbesondere für Studenten kann dies ein schlagkräftiges Argument sein, einen Minijob nicht nur zum Geld verdienen, sondern auch für die Rentenversicherung zu nutzen. Denn im Gegensatz zu den Studienjahren zählen Zeiten mit einem versicherungspflichtigen Minijob zu den Pflichtbeitragszeiten.
  • Als rentenversicherungspflichtiger Minijobber können Sie einen Riester-Vertrag abschließen. Und selbst wenn Sie nur geringe Einzahlungen leisten, erhalten Sie Anspruch auf die volle staatliche Förderung für eine Riester-Rente. Besonders für Arbeitnehmer mit geringem Verdienst und für Eltern kann sich das als vorteilhaft herausstellen, da diese häufig nur noch den Sockelbetrag, also einen Mindestbeitrag von 60 Euro jährlich in den Riestervertrag einzahlen müssen, um die volle Förderung zu erhalten.
  • Falls Ihr Ehepartner, beispielsweise weil er selbstständig ist, keinen Anspruch auf Förderung im Rahmen der Riester-Rente hat, aber trotzdem gerne riestern würde: Als rentenversicherungspflichtiger Minijobber ermöglichen Sie auch Ihrem Partner den Zugang zur Riester-Förderung.
  • Mit einem beitragspflichtigen Minijob erwerben Sie Ansprüche auf medizinische Rehabilitationsleistungen der Deutschen Rentenversicherung. Selbst wenn Sie "nur" einem Minijob nachgehen – nachdem Sie sechs Monate Pflichtbeiträge geleistet haben, können Sie einen Reha-Antrag bei der Rentenversicherung stellen.
  • Wer aufgrund gesundheitlicher Probleme überhaupt nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann, kann eine Umschulung beantragen. Auch eine solche "berufliche Reha" kann von der Deutschen Rentenversicherung bezahlt werden – allerdings müssen Sie hierfür normalerweise 15 Jahre als anrechenbare Beitragszeiten erworben haben.

Sie haben sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen – können Sie das wieder rückgängig machen?

Wie bereits geschildert, haben sich bereits viele Minijobber dafür entschieden, den Eigenanteil zur Rente zu sparen und haben bei ihrem Arbeitgeber einen Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht gestellt. Wer das gemacht hat, kann dies nicht rückgängig machen, zumindest nicht für dieses Beschäftigungsverhältnis.

Tipp Bevor Sie sich von der Zahlung des Eigenbeitrags befreien lassen, können Sie sich von der Deutschen Rentenversicherung kostenlos beraten lassen (zum Beispiel telefonisch die Servicetelefon-Nr. 0800 1000 480 70), welche Folgen dies für Sie hat.

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