Wie neugierig darf Ihr Hauptarbeitgeber sein? Welche Infos zu Ihrem Minijob müssen Sie preisgeben?

Wie neugierig darf Ihr Hauptarbeitgeber sein - Frau hält Schild mit "No"
Foto: © olly - Fotolia.com

Verdienst, Arbeitszeit, Tätigkeit, Name und Adresse etc.: Welche Informationen müssen Sie Ihrem hauptberuflichen Arbeitgeber über Ihren Nebenjob geben?

Eines vorweg: Wir haben bereits häufiger darüber geschrieben, dass kein Arbeitnehmer per Grundsatz dazu verpflichtet ist, seinen Arbeitgeber über einen geplanten Nebenjob zu unterrichten – unter anderem im Ratgeber-Beitrag Regeln für Arbeitnehmer mit Nebenjob und Hauptjob finden Sie detaillierte Informationen zu diesem Thema. Allerdings kann der Arbeitsvertrag oder der Tarifvertrag eine Regelung enthalten, die den Arbeitnehmer dazu verpflichtet, seinen Arbeitgeber im Vorfeld zu informieren.

Doch unabhängig davon, ob eine Informationspflicht besteht oder nicht, setzen viele Arbeitnehmer ihren Hauptarbeitgeber rechtzeitig in Kenntnis - und das manchmal auch einfach nur, um auf der sicheren Seite zu sein. Denn sofern keine konkreten Gründe gegen den Minijob sprechen, darf kein Arbeitgeber einen solchen verbieten; eine Klausel im Arbeitsvertrag, die die Aufnahme eines Nebenjobs grundsätzlich untersagt, ist ohnehin unzulässig. Für gewöhnlich geben die meisten Chefs ihre Einwilligung, wenn ihre Mitarbeiter sich nebenberuflich betätigen möchten. Denn oftmals spricht nichts gegen eine Nebenbeschäftigung, die betrieblichen Interessen werden nicht beeinträchtigt und es fehlt die Handhabe für ein Verbot.

Ist der Arbeitgeber einfach nur neugierig bzw. indiskret oder besteht die Verpflichtung zur Auskunft?

Viel Verunsicherung besteht allerdings, wenn es darum geht, welche Art von Informationen der Hauptarbeitgeber über den Nebenjob erfragen darf. Und so erreichen uns regelmäßig E-Mails, in denen Nebenjobber schildern, wie ihr Nebenjob vom Chef auf den Prüfstand gestellt wird und welche Details sie preisgeben sollen.

Ob überhaupt und inwieweit Sie die Fragen Ihres Chefs zu Ihrem Nebenjob beantworten müssen oder wann solche Fragen die Grenze zur Indiskretion überschreiten, beantworten wir in diesem Ratgeber-Beitrag anhand einer Auswahl von konkreten Leserfragen, die uns in der Vergangenheit gestellt wurden.

Wie weit darf der Chef mit seinen Fragen zum Minijob gehen? Der Grundsatz lautet: "Es hängt davon ab..."

Ebenso wie es sich mit der Verpflichtung, den Chef über den Nebenjob zu informieren, verhält, ist es mit dem Ausmaß, in dem Sie zur Auskunft verpflichtet sind: Grundsätzlich sind Sie zwar nicht zur Auskunftserteilung verpflichtet, wenn aber Ihr Arbeits- oder Tarifvertrag eine Anordnung enthält, welche Art von Infos zu Ihrem Nebenjob von Ihnen erwartet werden, sollten Sie dem nachkommen.

Außerdem kann es sich auch aus der Eigenart Ihres Minijobs ergeben, wenn Ihr Arbeitgeber weitergehende Fragen hat. Letztlich sollen die Informationen zu Ihrem Nebenjob Ihrem Arbeitgeber dazu verhelfen, richtig einzuschätzen, ob Ihr Nebenjob zulässig ist oder ob er die betrieblichen Interessen verletzt und damit unzulässig ist.

Art des Nebenjobs, Arbeitszeit, Verdienst, Arbeitgeber – wo endet die Auskunftspflicht?

Wenn in Ihrem Arbeitsvertrag steht, dass Sie Ihren Chef informieren müssen, aber keine weiteren Details das "Wie" definieren, dann ist es wahrscheinlich, dass Sie lediglich nach der Art des Nebenjobs, also Ihrer Tätigkeit, dem zeitlichen Umfang und gegebenenfalls auch dem Arbeitgeber für den Zweitjob gefragt werden. Und das ist auch ok so, denn nur vor dem Hintergrund dieser Informationen geben Sie Ihrem Chef die Möglichkeit zu beurteilen, ob beispielsweise Ihre Leistungsfähigkeit im Hauptjob durch den Nebenjob beeinträchtigt wird, ob mit dem Nebenjob gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen wird, ob Sie bei der Konkurrenz tätig werden etc.

Doch in der Praxis kommt es oft genug auch vor, dass der Chef darüber hinausgehend weitere Einzelheiten zum Nebenjob erfahren möchte – das zeigen uns die vielen Anfragen, die uns regelmäßig erreichen. Als erstes sollten Sie, wie gesagt, in Ihrem Arbeitsvertrag nachschauen, welche Regeln für den Fall der Aufnahme eines Nebenjobs vorgesehen sind und sich entsprechend auch daran halten.

Tipp Wenn Sie sich nicht sicher sind, kann es auch weiterhelfen, beim Betriebsrat nachzufragen. Gegebenenfalls bekommen Sie hier zuverlässige Infos zur Sachlage in Ihrem Betrieb.

Weil es an dieser Stelle schwierig für uns ist, alle Leserfragen pauschal und vollumfänglich zu beantworten, haben wir beispielhaft für viele andere Fragestellungen fünf konkrete Anfragen von Lesern herausgesucht. Mit unser Einschätzung bzw. der Beurteilung dieser Beispiele möchten wir Ihnen eine tendenzielle Orientierung, quasi als Eckpfeiler für eine mögliche Antwort, an die Hand geben - das allerdings immer unter Vorbehalt, dass der Arbeitsvertrag eine andere Bestimmung enthalten kann.

Anführungszeichen Mein Hauptarbeitgeber hat mir zur Anmeldung für einen Nebenjob unser internes Formular zukommen lassen. Hier möchte er unter anderem wissen, wie viel ich mit meinem Nebenjob verdiene. Darf er das fragen? Muss ich das angeben?

Grundsätzlich sind Sie als Arbeitnehmer nicht verpflichtet, Ihrem Hauptarbeitgeber das Einkommen, das Sie mit Ihrem Nebenjob verdienen mitzuteilen. Eine Ausnahme von dieser Grundsatzregelung stellen allerdings Beamte dar, die ihr Nebeneinkommen offenlegen müssen.

Anführungszeichen Muss ich meinem Hauptjobarbeitgeber den Arbeitsvertrag vom Minijob-Arbeitgeber zeigen?

In diesem Fall verhält es sich ähnlich: Wenn nicht der Arbeitsvertrag zum Hauptjob eine entsprechende Klausel enthält, kann Ihr Chef nicht von Ihnen verlangen, den Arbeitsvertrag für Ihren Nebenjob einzusehen.

Anführungszeichen Ist es rechtlich so, dass ich, egal was im Arbeitsvertrag steht, den Arbeitgeber zwar informieren muss, die Nebentätigkeit aber nicht verboten bekommen darf?

Nicht ganz. Wenn in Ihrem Arbeitsvertrag steht, dass Sie Ihren Arbeitgeber über einen Nebenjob informieren müssen, sind Sie entsprechend verpflichtet, dies zu tun. Falls der Arbeitsvertrag nichts vorgibt, müssen Sie Ihren Arbeitgeber noch nicht einmal über Ihren Nebenjob in Kenntnis setzen - es sei denn, Sie hätten Grund zu der Annahme, dass der Nebenjob die Interessen Ihres Arbeitgebers verletzen könnte. In diesem Fall wiederum müssen Sie Ihren Chef informieren und, sofern die Interessen Ihres Hauptarbeitgebers durch den Nebenjob verletzt werden, kann Ihnen der Nebenjob verboten werden.

Im umgekehrten Fall wiederum haben Sie den gesetzlichen Anspruch, dass Ihr Arbeitgeber den Nebenjob erlaubt.

Anführungszeichen Ich habe einen Nebenjob (ich gehe putzen) und hierfür das Einverständnis meines Hauptarbeitgebers. Nun möchte ich den Nebenjob wechseln und als Bedienung in einem Schnellrestaurant arbeiten. Muss ich meinen Hauptarbeitgeber hiervon in Kenntnis setzen? Schließlich hatte er ja auch nichts gegen den ersten Nebenjob einzuwenden.

Ganz klar: Sofern arbeitsvertragliche Regelungen Sie zur Info über einen Nebenjob verpflichten, gilt das für jede einzelne Nebentätigkeit – und das auch, wenn diese nicht gleichzeitig, also parallel ausgeübt werden, sondern aufeinander folgen. Wie sonst sollte Ihr Chef beurteilen können, ob auch der zweite Nebenjob nicht gegen seine Interessen verstößt?

Anführungszeichen Ich habe meinen Minijob bei meinen Arbeitgeber verschwiegen. Bekommt er es trotzdem irgendwie heraus, dass ich einen Nebenjob habe?

Wenn Sie durch arbeitsvertragliche Regelungen nicht dazu verpflichtet sind, Ihren Minijob mitzuteilen, haben Sie sich durch Ihr Schweigen nichts zuschulden kommen lassen (es sein denn, Sie verletzten durch den Nebenjob die Interessen Ihres Hauptarbeitgebers).

Weiterhin wird es für Ihren Arbeitgeber nicht ohne weiteres möglich sein herauszubekommen, dass Sie einen Minijob ausüben, denn er wird nicht automatisch, beispielsweise von offizieller Stelle, über Ihren Nebenjob informiert. Eine ausführliche Antwort auf Ihre Frage können Sie im Ratgeber Mehrere Minijobs, Heimarbeit, Steuern, Urlaub, "heimlicher" Nebenjob: Häufige Fragen, unsere Antworten nachlesen.

Unsere Empfehlung zu diesem Thema

Mehrere Minijobs gleichzeitig – ist das erlaubt?Geld verdienen ohne Arbeit

Mehrere Minijobs gleichzeitig – ist das erlaubt?

So lässt sich auch ohne Minijob (und praktisch sogar ohne richtig zu arbeiten) Geld verdienen


Ja, natürlich dürfen Sie mehrere Minijobs haben. Sie sollten aber im Vorfeld darauf achten, dass Sie dabei auch tatsächlich das Geld verdienen, das Sie eingeplant haben.

Wer sagt überhaupt, dass sich ohne zu arbeiten kein Geld verdienen lässt?


Das könnte Sie auch interessieren
Geld verdienen mit Privatbesitz

Wohnung, Auto, Kleidung etc.: Die besten Tipps, wie Sie mit Ihrem privaten Besitz Geld verdienen

Lassen Sie Ihren privaten Besitz für sich arbeiten: Ihre Wohnung, Ihr Haus, Ihr Auto, Ihre Kleidung oder Ihre gebrauchte Elektronik eignen sich hervorragend, um damit einen Nebenverdienst zu erzielen.


Minijob 2017: Mehr Geld verdienen

Minijob 2017: Mehr Geld verdienen durch die Mindestlohn-Erhöhung

Es wirkt sich auch auf viele Minijobs aus, dass der Mindestlohn ab Anfang 2017 auf 8,84 Euro steigt. Lesen Sie, was Sie unbedingt beachten sollten und wie viel mehr Geld Sie verdienen werden.


Nebenjobs bei der Rewe Group

Nebenjobs bei der Rewe Group

Großes Nebenjob-Potential bei der Rewe-Group: Von Penny über Toom bis zum ProMarkt - überall werden auch Aushilfen eingesetzt. Wir haben recherchiert, wie Sie die Jobs finden können.


Beliebte Themen im Ratgeber
Minijob auf 450-Euro-Basis

Minijob auf 450-Euro-Basis

Die aktuellen Regelungen


Nebenjob und Steuererklärung

Nebenjob und Steuererklärung

Gebe ich den Minijob in der Steuererklärung an?


Kurzfristige Beschäftigung

Kurzfristige Beschäftigung

Beliebte Variante für Ferienjobs


Ihr Recht auf den Zweitjob

Ihr Recht auf den Zweitjob

Trotzdem müssen Sie Vorschriften beachten


Urlaubsanspruch im Nebenjob

Urlaubsanspruch im Nebenjob

Oft nicht bekannt: Sie haben Anspruch auf Urlaub


Produkttester
Traumjob für Verbraucher mit Spaß am Testen
Produkttester

Als Produkttester machen Sie den Praxistest

Sie stellen fest, wie sich ein Produkt handhabt und ob sich vielleicht Fehler oder sonstige Mängel finden. Ihre Aufgabe besteht also darin, Produkte zu testen und zu beurteilen


Sie haben Fragen? Wir helfen gerne!

Senden Sie uns einfach eine Mail