Trotz Krankschreibung im Nebenjob arbeiten und Geld verdienen: Darf ich das?

Trotz Krankschreibung im Nebenjob arbeiten
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Haben Sie ein schlechtes Gefühl dabei, in Ihrem Nebenjob zu arbeiten, wenn Sie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt bekommen haben? Dann geht es Ihnen wie vielen unserer Leser.

Regelmäßig wird uns von Lesern wieder die Frage gestellt, ob sie es riskieren können, ihren Nebenjob auszuüben, obwohl sie eigentlich offiziell krankgeschrieben sind und aufgrund dieser Krankschreibung nicht in ihrem Hauptjob arbeiten.

Beispielhaft solche Fragestellungen haben uns in der Vergangenheit per E-Mail erreicht:

Zitat"Guten Tag, ich wüsste gerne, ob ich im Nebenjob arbeiten darf, obwohl ich für den Hauptjob eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht habe."

Zitat"[...] Wenn ich in meinem Hauptjob (Rohrschlosser und Schweißer) nicht bettlägerig krankgeschrieben bin, darf ich trotzdem in meinem Nebenjob geringfügig arbeiten?"

Die Antwort auf solche Fragen ist relativ knifflig, da es kein generelles "Ja" oder "Nein" gibt. Die Beantwortung beginnt grundsätzlich mit einem "Es hängt davon ab, …".

In diesem Artikel stellen wir die verschiedenen Aspekte, von denen die Einschätzung der jeweiligen Situation abhängt, dar. Außerdem möchten wir Ihnen mögliche Vorgehensweisen und einige Denkanstöße an die Hand geben, die Ihnen die Entscheidung für oder gegen Ihren Nebenjob während Ihrer Krankheit leichter machen sollen.

Im Grundsatz gilt: Wer krankgeschrieben ist und sich "genesungswidrig" verhält, riskiert - mindestens - eine Abmahnung

Wenn der Arzt Sie krankschreibt, bekommen Sie als offizielle Bescheinigung hierfür die "Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung" (kurz "AU"), die Sie Ihrem Arbeitgeber vorlegen. Eine solche Krankschreibung erfüllt allerdings nicht nur den Zweck, Ihrem Arbeitgeber zu bestätigen, dass Sie nicht in der Lage sind zu arbeiten, sondern auch dazu, die Voraussetzung für Ihre Genesung zu schaffen. Gleichzeitig haben Sie als Krankgeschriebener die Verpflichtung, alles zu unterlassen, was verzögern oder verhindern könnte, dass Sie gesund werden. Wenn Ihr Nebenjob also Ihrer Gesundung im Weg steht, könnte dies Ihren Arbeitgeber dazu veranlassen, Ihnen Ihr vertragswidriges Verhalten unmissverständlich klarzumachen, Sie abzumahnen und Ihnen die Kündigung anzudrohen.

Falls Sie mit Ihrem Nebenjob ohnehin schon, also auch ohne, dass Sie krankgeschrieben sind und Ihre Gesundung gefährden, gegen arbeitsvertragliche Regelungen verstoßen (beispielsweise weil Sie nebenbei bei der Konkurrenz jobben), kann Ihr Chef Ihnen sogar fristlos kündigen.

Trotzdem: Einem Nebenjob trotz Krankheit nachzugehen, ist nicht zwingend ein vertragswidriges bzw. gesundheitswidriges Verhalten

Eine wichtige Rolle bei der Beurteilung, ob Sie trotz Krankschreibung nebenbei jobben dürfen, spielt der Grund, aus dem Sie krankgeschrieben sind und welches Verhalten von Ihnen dazu führen würde, dass Sie nicht gesund werden.

Wenn Sie zum Beispiel in Ihrem Hauptjob Paketzusteller sind und Sie krankgeschrieben sind, weil Sie sich den Fuß gebrochen haben, dürfte einem Nebenjob, bei dem Sie beispielsweise am heimischen PC Texte für die Lokalzeitung schreiben, nichts im Wege stehen.

Anders stellte es sich in einem Fall dar, den das Arbeitsgericht Köln im Dezember 2014 (Aktenzeichen 2 Ca 4192/13) entschieden hat. Der Arbeitgeber hatte einem krankgeschriebenen Beschäftigten, der während seiner Arbeitsunfähigkeit (wegen gesundheitlicher Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz) nachtsüber seinem Nebenjob als DJ nachgegangen war und dabei Alkohol konsumiert hatte, fristlos gekündigt. Der Arbeitnehmer erhob Kündigungsschutzklage, das Gericht allerdings entschied, dass die Kündigung rechtmäßig sei. Das Gericht beurteilte die Nachtarbeit und den Konsum von Alkohol als nicht gesundheitsfördernd – vor allem nicht bei einer Krankschreibung aufgrund von psychischen Problemen.

In einem anderen Fall, dieses Mal vor dem Landesarbeitsgericht Köln, war ein Arbeitnehmer wegen eines Leistenbruchs krankgeschrieben und half trotz der Krankschreibung abends eine Stunde lang bei der Verladung von Zeitungspaketen aus. Der Arbeitgeber kündigte fristlos; er unterstellte, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit nur vorgetäuscht habe bzw. sich genesungswidrig verhalten habe. Vor Gericht bestätigte der krankschreibende Arzt, dass der Beschäftigte tatsächlich arbeitsunfähig war. Das Gericht beurteilte zwar den Nebenjob des Krankgeschriebenen als Pflichtverstoß, allerdings sei dieser Pflichtverstoß nicht derart schwerwiegend, dass er eine fristlose Kündigung rechtfertige (Aktenzeichen 11 Sa 915/12).

Sie sehen: Es hängt immer vom Einzelfall ab, wie die Situation zu beurteilen ist und ob eine Abmahnung oder sogar fristlose Kündigung durch die Ausübung des Nebenjobs gerechtfertigt ist. Dass in der Vergangenheit nicht wenige Streitfälle vor Gericht (und das zum Teil über mehrere Instanzen) landeten, veranschaulicht die Schwierigkeit, solche Fälle rechtssicher zu beurteilen.

Unterschätzen Sie nicht den emotionalen Aspekt bei Chef und Kollegen, wenn Sie trotz Krankschreibung im Nebenjob weiterarbeiten

Daneben sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass selbst in dem Fall, dass Ihr Nebenjob Ihrer Genesung nicht im im Wege stände, Ihr Arbeitgeber dennoch unter Umständen mit Unverständnis auf Ihr fortlaufendes Nebenjobben reagiert und sich wahrscheinlich – gelinde ausgedrückt – wenig begeistert davon zeigen wird. Ihrem Chef könnten echte Zweifel an Ihrer Arbeitsunfähigkeit kommen und falls Sie bislang ein unverkrampftes und gutes Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber haben, sollten Sie sich überlegen, ob Sie es durch den Nebenjob nicht eventuell zu stark strapazieren.

Sofern Ihnen außerdem die Meinung Ihrer Arbeitskollegen wichtig ist, sollten Sie sich auch darüber Gedanken machen, wie Ihr Nebenjob von ihnen aufgenommen wird. Möglicherweise werden Ihre Kollegen es nicht verstehen, warum Sie einerseits zu krank sind, um im Hauptjob zu arbeiten (und Ihre Arbeit dort liegenbleibt bzw. von anderen miterledigt werden muss), Sie sich jedoch bei einem anderen Arbeitgeber engagieren können.

Warum melden Sie sich mit der Krankschreibung nicht auch in Ihrem Nebenjob krank?

Leider wissen viele Minijobber nicht, dass sie im Krankheitsfall auch bei einem Minijob Anspruch auf Lohnfortzahlung haben. Haben Sie Bedenken, den Chef Ihres Minijobs auf die Lohnfortzahlung anzusprechen? Wenn Ihr nebenberuflicher Arbeitgeber weniger als 30 Angestellte hat, machen Sie ihn darauf aufmerksam, dass er einen großen Teil der geleisteten Lohnfortzahlung von der Minijob-Zentrale erstattet bekommen, denn genau zu diesem Zweck führt er eine monatliche Umlage an die Minijob-Zentrale ab.

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Diese Frage beschäftigt viele unserer Leser. Früher oder später plagt diese Befürchtung alle Minijobber, die ihrem Chef ihre Nebentätigkeit "unterschlagen" haben.

Das sind sie: Sieben Fragen, die uns häufig gestellt wurden


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