Für den Nebenjob ein Gewerbe anmelden: Das müssen Sie wissen

Gewerbe anmelden für den Nebenjob
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Immer mehr Nebeneinkünfte, insbesondere wenn das Geld verdienen online erfolgt, werden in Eigenregie erarbeitet und setzen eine Gewerbeanmeldung voraus

Mikrojobs, Webseiten testen, Onlinehandel, Fotografieren, Datenerfassung, Texte schreiben und vieles mehr: Auch, wer eigentlich „nur“ an einem konventionellen Nebenjob bei einem Arbeitgeber interessiert ist, stößt bei der Jobsuche immer häufiger auf neue und unkomplizierte Methoden, wie sich in Eigenregie mehr oder weniger große Nebenverdienste erarbeiten lassen. Denn längst nicht jeder, der einen Nebenjob selbstständig betreibt, setzt sein eigenes, individuelles Projekt mit einer persönlichen Geschäftsidee in die Tat um. Lesen Sie, ob, zu welchem Zeitpunkt und wie Sie ein Gewerbe für Ihren Nebenerwerb anmelden müssen.

Grundsatz: Wer regelmäßig Gewinn erzielen möchte, muss ein Gewerbe anmelden

Unabhängig davon, ob Sie kleine Aufgaben für einen (oder unter Umständen sogar mehrere) Auftraggeber erledigen oder ob es sich um die Umsetzung eines eigenen Geschäftsgründungs-Projekts handelt: Wenn Sie hierfür nicht bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind und mit diesem Nebenjob auf Dauer Gewinne erzielen möchten, benötigen Sie einen Gewerbeschein. Wer kein Gewerbe angemeldet hat, darf auch keine Rechnungen ausstellen.

Es gibt jedoch Ausnahmen: Die Selbstständigen, die einen so genannten Freien Beruf ausüben, müssen kein Gewerbe anmelden. Und tatsächlich gibt es relativ viele Berufsgruppen, die ihren Nebenjob freiberuflich ausüben – beispielhaft seien hier die Nebentätigkeiten als Dozent, Schriftsteller, Journalist, Fotograf, Erzieher, Altenpfleger oder Tagesmutter genannt.

Wo melden Sie ein Gewerbe an und was benötigen Sie dafür?

Für die Anmeldung müssen Sie im Regelfall keine weiten Wege zurücklegen, vor allem nicht, wenn Sie von Ihrem Zuhause aus gewerblich arbeiten möchten. Denn die Gewerbeanmeldung machen Sie bei der für Ihren Wohnort zuständigen Gewerbebehörde – bzw. bei der Behörde, an der die Betriebsstätte ihren Standort hat. Wenn Sie in einer kleineren Stadt oder Gemeinde zu Hause sind, finden Sie die Gewerbestelle meist in der Stadtverwaltung oder im Einwohnermeldeamt.

Um ein Gewerbe anzumelden, brauchen Sie normalerweise nicht viel mehr als Ihren Personalausweis oder Reisepass. Es kann auch vorkommen, dass Sie für das Gewerbe, das Sie ausüben möchten, eine Gewerbeerlaubnis benötigen oder dass Sie bei einigen Tätigkeiten bestimmte Qualifikationen nachweisen müssen.

Außerdem werden Sie etwas Geld benötigen, denn die Anmeldung ist gebührenpflichtig. Die Kosten fallen, je nach örtlicher Meldestelle, relativ unterschiedlich aus: Zwischen 15 und 65 Euro werden Ihnen in Rechnung gestellt werden.

InfoWer noch nicht 18 Jahre alt ist, muss für die Gewerbeanmeldung die Erlaubnis der gesetzlichen Vertreter sowie die Zustimmung des Vormundschaftsgerichts haben.

Wie viel Zeit sollten Sie für die Gewerbeanmeldung einplanen?

Normalerweise braucht eine Gewerbeanmeldung keine lange Vorbereitungszeit und auch die Anmeldung ist relativ zügig erledigt (die jeweilige Wartezeit, die Sie bei der Behörde verbringen, lässt sich allerdings nicht abschätzen).

TippImmer mehr Behörden stellen das Antragsformular im Internet als Download zur Verfügung. So können Sie das Formular in Ruhe zu Hause ausfüllen und auf diese Weise den Anmeldeprozess im Amt ein wenig beschleunigen.

Nachdem alle Angaben gemacht und die Anmeldegebühr entrichtet ist, erhalten Sie das Anmeldeformular abgestempelt und mit Unterschrift ausgehändigt – das ist ab jetzt Ihr Gewerbenachweis (oft auch als Gewerbeschein bezeichnet).

Zu welchem Zeitpunkt muss ein Gewerbe anmeldet werden – ist das auch rückwirkend möglich?

Wie zu Beginn erwähnt: Wer langfristig (und nicht nur gelegentlich) Gewinne machen möchte, ist ab diesem Moment Gewerbetreibender und muss dies mit der Gewerbeanmeldung offiziell machen. Der richtige Anmeldezeitpunkt ist also der Beginn Ihrer Tätigkeit. Dennoch wird in der Praxis häufig auch eine gewisse Verzögerung bei der Anmeldung toleriert. Eine Verspätung von bis zu drei Monaten bleibt oftmals ungeahndet, das heißt, dass Sie  bußgeldfrei.

Unter anderem diese Angaben machen  Sie im Anmeldeformular

Das Ausfüllen des Formular ist eigentlich nicht schwierig. Zunächst machen Sie Angaben zu Ihrer Person – das wir wahrscheinlich niemandem schwerfallen. Wenn Sie von zu Hause arbeiten, geben Sie im Folgenden unter „Betriebsstätte“ Ihre Privatadresse an.

Außerdem werden Sie gefragt, welche Tätigkeit Sie anmelden möchten („Angemeldete Tätigkeit“) - dies ist ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Punkt bei Ihrer Anmeldung. Hier listen Sie beispielsweise Waren auf, die Sie herstellen oder verkaufen möchten. Oder Sie geben den Dienstleistungsbereich an, in dem Sie sich betätigen werden. Nennen Sie hier nach Möglichkeit alles, was Sie machen oder auf welchen Wegen Sie Waren verkaufen möchten. Natürlich kann es passieren, dass Sie Ihr Tätigkeitsfeld später ausweiten – das können Sie natürlich (allerdings kostenpflichtig) ergänzen.

Bei der Frage, ob Sie die genannte Tätigkeit (vorerst) im Nebenerwerb betreiben werden, kreuzen Sie „Ja“ an, sofern Sie Ihr Gewerbe neben einer hauptberuflichen Tätigkeit als Arbeitnehmer oder als Freiberufler ausüben werden. Aber auch als Hausfrau, Rentner oder Arbeitsloser können Sie ein Nebengewerbe betreiben und hier mit „Ja“ antworten.

So nehmen Sie Kleinunternehmerregelung für Gewerbetreibende in Anspruch

Ob Sie Ihr Gewerbe als Kleingewerbe betreiben möchten oder nicht, müssen Sie noch nicht bei der Gewerbeanmeldung entscheiden. Die Kleinunternehmerregelung stellt für Kleingewerbetreibende die Möglichkeit zur Vereinfachung bei der Abrechnung der Umsatzsteuer: Wer von dieser Regelung Gebrauch macht, muss keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen (und entsprechend auch keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben).

Wenn Sie Ihren Betrieb als Kleingewerbe führen möchten, geben Sie dies einfach auf dem Fragebogen an, der Ihnen automatisch nach Ihrer Gewerbeanmeldung vom Finanzamt zugeschickt wird.

Allerdings kann nicht jeder Gewerbetreibende von dieser Regelung Gebrauch machen: Nur kleine Unternehmen, freiberuflich Tätige oder Selbstständige, die im Vorjahr oder im laufenden Jahr nicht mehr als 17.500 Euro Umsatz getätigt haben (und – aber für Nebenberufler ist das wahrscheinlich eher die blanke Utopie - im laufenden Geschäftsjahr nicht mehr als 50.000 Euro umsetzen werden), können von dieser Regelung profitieren.

Wenn Sie sich entscheiden, die Vorteile der Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen, dürfen Sie auf Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen.

WichtigFügen Sie Ihren Rechnungen sinngemäß diesen Satz hinzu: „Als Kleinunternehmer im Sinne von § 19 UStG berechne ich keine Umsatzsteuer“.

Bedenken Sie aber auch, dass Sie keinen Anspruch auf Rückerstattung der Vorsteuer, die Sie im Rahmen Ihrer Ausgaben bezahlen, haben.

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