Arbeitsvertrag, Arbeitszeiten, Arbeitsort, Haftung und mehr: Ihre Rechte im Nebenjob

Ihre Rechte im Nebenjob
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Gegenüber Ihrem Chef im Hauptjob haben Sie Ansprüche – doch welche Rechte haben Sie in Ihrem Nebenjob? Lesen Sie unsere Antworten auf Ihre 13 häufigsten Fragen

Dass sie gegenüber Ihrem Arbeitgeber im Hauptjob Ansprüche haben, wissen die meisten Beschäftigten. Ebenso wissen viele auch, dass ihr Arbeitgeber ihnen nicht einfach so den Nebenjob verbieten kann – weder als generelles Verbot im Arbeitsvertrag noch „einfach so“ nach Gutdünken. Über diese und weitere Themen, die Ihre Rechte gegenüber Ihrem Hauptarbeitgeber betreffen, haben wir bereits ausführlich berichtet.

Doch wie sieht es eigentlich mit den Rechten aus, die Sie als Nebenjobber gegenüber Ihrem nebenberuflichen Arbeitgeber haben? Mitunter kommt es vor, dass Arbeitgeber ganz anders mit ihren Aushilfen umgehen als mit den übrigen Beschäftigten. Beispielsweise wissen viele Minijobber nicht, dass sie Anspruch auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag haben, inwieweit ihr Chef über Arbeitsorte bzw. Arbeitseinsätze willkürlich entscheiden darf oder ob bei Krankheit oder bei Urlaub nachgearbeitet werden muss, um das volle Gehalt zu bekommen und vieles mehr.

Hier beantworten wir in aller Kürze die Fragen, die uns von Ihnen ganz besonders häufig gestellt wurden.

Darf mein Arbeitgeber bestimmen, wo ich arbeite?

Das kommt auf den Arbeitsvertrag an, den Sie mit Ihrem Arbeitgeber geschlossen haben. Denn auch der Arbeitsort wird als wesentlicher Bestandteil des Vertrages festgelegt. Wenn dort ein fester Arbeitsort angegeben ist, können Sie sich weigern, an anderen Orten eingesetzt zu werden.

Wenn jedoch unter Arbeitsort beispielsweise ein Hinweis auf wechselnde Orte zu finden ist, kann von Ihnen verlangt werden, dass Sie auch in anderen Verkaufsstellen des Unternehmens tätig werden. Das gilt selbst für den Fall, dass Sie sich ursprünglich auf das Stellenangebot in einer bestimmten Filiale beworben haben.

Kann ich auf einem schriftlichen Arbeitsvertrag bestehen?

Ja, allerdings nicht von Beginn an. Denn der eigentliche Vertrag kommt auch zustande, ohne dass schriftlich etwas manifestiert sein muss – es reicht aus, dass Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber über den künftigen Arbeitseinsatz geeinigt haben.

Spätestens einen Monat nach Ihrem Arbeitsantritt jedoch muss das Schriftliche nachgeholt werden – diese Regelung schreibt das deutsche Nachweisgesetz vor. Ihr Arbeitgeber muss die wesentlichen Bedingungen des Arbeitsvertrages aufzeichnen und sie Ihnen (mit seiner Unterschrift versehen) aushändigen.

Mein Chef bestimmt bzw. ändert willkürlich die Arbeitszeiten für meinen Nebenjob. Darf er das?

In Ihrem Arbeitsvertrag müssen auch Vereinbarungen zur Arbeitszeit enthalten sein, allerdings sind diese nicht immer exakt festgeschrieben. Es ist beispielsweise möglich, dass lediglich die Wochenarbeitszeit bestimmt wird. Unter Umständen ist auch nur eine Zeitspanne vereinbart, während derer die festgelegten Wochenstunden zu leisten sind – zum Beispiel bestimmte Wochentage oder mögliche Einsatzzeiten („zwischen 14 und 18 Uhr“). Doch selbst ein solcher Arbeitseinsatz „auf Abruf“ ist geregelt: Spätestens vier Tage vor Ihrem Einsatz muss Ihr Chef Ihnen Bescheid geben, wann er Sie braucht.

Das Gehalt aus meinem Nebenjob wird mir bar ausgezahlt. Ist das rechtlich zulässig?

Ob Ihnen Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt aufs Konto überweist oder das Geld bar auszahlt, bleibt seine Entscheidung. Gegen beides ist generell nichts einzuwenden – allerdings sollten Sie sich eine Quittung (und auch eine Gehaltsabrechnung, darauf haben Sie gesetzlich Anspruch) geben lassen, damit Sie nicht verdächtigt werden, Schwarzarbeit zu leisten.

Kann ich verlangen, dass mir mein Arbeitgeber Weihnachtsgeld bezahlt?

Nein, das können Sie nicht, denn hierauf haben Sie keinen allgemeinen Anspruch. Wenn aber Ihre Kollegen Weihnachtsgeld bekommen, steht auch Ihnen als Nebenjobber diese Sonderzahlung anteilig zu. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Zahlung von Urlaubsgeld.

Weitere Infos zur Gleichbehandlung von Arbeitnehmern lesen Sie im Artikel Nebenjob oder Vollzeitjob: Gleiches Recht für alle

Muss ich die verpasste Arbeitszeit nacharbeiten, wenn ich krank werde?

Nein, auf gar keinen Fall. Auch im Nebenjob besteht der volle Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall –maximal sogar sechs Wochen lang. Wenn Sie krank werden und deshalb nicht arbeiten können und – das ist wichtig! – ein ärztliches Attest vorlegen, muss Ihr Chef Ihnen das vereinbarte Gehalt in voller Höhe weiterzahlen. Ohne Wenn und Aber – und natürlich erst recht ohne die Aufforderung, die verpasste Arbeitszeit nachzuarbeiten.

Diese Frage haben wir im Artikel Bekomme ich im Nebenjob weiter Gehalt, auch wenn ich krank bin? ausführlich beantwortet

Ich habe im Rahmen meines Nebenjobs nicht unerheblichen Schaden verursacht. Muss ich dafür haften und den Schaden bezahlen?

Nicht unbedingt. Sie müssen längst nicht für jeden Schaden aufkommen, der während Ihrer Arbeit durch Sie entstehen kann. Ein Beispiel: Ein angestellter Minijobber reinigt die Büros eines Unternehmens und stößt dabei versehentlich Stehlampe von einem Schreibtisch. Dieser Schaden ist durch lediglich leichte Fahrlässigkeit entstanden – in diesem Fall sind Sie nicht verpflichtet, den Schaden zu regulieren.

Wenn Ihre Fahrlässigkeit jedoch in den Bereich „mittel“ oder „grob“ fällt, beispielsweise weil Sie versuchen, mehrere Dekorationsgegenstände auf Ihren Händen zu balancieren und Sie wissen, dass das eigentlich gar nicht klappen kann, müssen Sie haften, wenn bei Ihrer Balanceaktion ein Schaden entsteht.

Muss ich meinen Nebenjob kündigen oder kann ich einfach so aufhören?

Selbst wenn Ihnen Ihr Nebenjob nicht mehr gefällt, können Sie ihn nicht von Heute auf Morgen ganz ohne Vorankündigung hinschmeißen. Ebenso wie Ihr Arbeitgeber müssen auch Sie sich an die gesetzlichen oder die vertraglich vereinbarten Kündigungsfristen halten.

Mehr zum Thema Kündigung des Nebenjobs lesen Sie im Artikel Nebenjob kündigen: So machen Sie es richtig

Ich bin Auslieferungsfahrer und wurde während der Arbeitszeit geblitzt. Wer muss das Bußgeld bezahlen – ich oder mein Arbeitgeber?

Einfache Antwort: Sie selbst (und eben nicht Ihr Chef) haben die Verkehrsregeln missachtet: Sie persönlich sind zu schnell gefahren. Entsprechend müssen auch Sie allein das Bußgeld bezahlen.

Kann ich im Nebenjob Urlaub nehmen und bekomme ich mein Gehalt trotzdem weiter?

Ja, natürlich. Sie haben nicht nur Anspruch darauf, in Ihrem Nebenjob Erholungsurlaub zu nehmen, sondern auch darauf, dass Sie während der Zeit Ihrer Abwesenheit weiter bezahlt werden – und das in voller Höhe.

Weitergehende Infos zum Thema, auch zur Berechnung der Urlaubstage, lesen Sie im Beitrag Ihr Urlaubsanspruch im Nebenjob

Habe ich als Minijobber Anspruch auf ein Zeugnis?

Auch wer einen Nebenjob ausübt, kann von seinem Arbeitgeber verlangen, dass ihm ein Zeugnis ausgestellt wird. Normalerweise haben Sie Anspruch auf ein so genanntes „qualifiziertes Zeugnis“, in dem neben der Dauer und der Art Ihres Nebenjobs auch Ihre Leistung und Ihr Verhalten bewertet werden.

Ein „einfaches Zeugnis“, das lediglich die Dauer und die Art Ihre Nebenjobs aufführt, ist in dem Ausnahmefall ausreichend, wenn Sie Ihren Nebenjob nur kurze Zeit ausgeübt haben und Ihr Arbeitgeber keine Möglichkeit hatte, Ihre Leistungen und Ihr Verhalten zu beurteilen.

Ich bin schwanger. Gibt es auf im Nebenjob Mutterschutz?

Ja. Auch hier greift der Gleichbehandlungsgrundsatz: Ebenso wie Ihr hauptberuflicher Arbeitgeber darf auch Ihr nebenberuflicher Chef Sie während des Mutterschutzes nicht beschäftigen – er ist jedoch verpflichtet, Ihr Gehalt weiterzuzahlen.

Darf ich einen Nebenjob ausüben, wenn ich Urlaub im Hauptjob habe?

Wenn es sich bei der Nebentätigkeit um Ihren „gewohnten“ Nebenjob handelt, den Sie bereits seit längerem neben Ihrem bestehenden Hauptjob ausüben, ist das Jobben im Urlaub unproblematisch.

Wenn es sich jedoch um einen „neuen“ Nebenjob handelt, lässt sich dies nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Denn der Grundsatz lautet, dass Sie Sie sich, wenn Sie Urlaub haben, erholen sollen. Sie dürfen, so bestimmt es das Bundesurlaubsgesetz keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit ausüben. Sollte dies der Fall sein, droht Ihnen eine Abmahnung oder sogar die Kündigung.

Es stellt sich nun die Frage, wann Ihr Nebenjob dem Erholungszweck zuwiederläuft. Wer sich vier Wochen Urlaub nimmt, um während dieser Zeit mit einem Fulltime-Job richtig viel Geld zu verdienen, dürfte stark abmahngefährdet sein. Jemand, der während seines Urlaubs in Südfrankreich als Surflehrer jobbt, dürfte sich in diesem Urlaub trotz der Arbeit ausreichend erholen können.

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