Arbeitsrecht und Urlaub – wie sieht es damit im Nebenjob aus?

Im Minijob mehr als 450 Euro verdienen
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12 Fragen und Antworten zum Thema Urlaub, die Sie kennen sollten: Mindestanspruch, Urlaubsverbot, Resturlaub, bezahlter Urlaub u.v.m.

Urlaubsreif zu sein gehört zu den Gefühlen, die wahrscheinlich jeder arbeitende Mensch bestens kennt. Vielleicht sind sogar all diejenigen, die neben ihrem Hauptjob in einem Nebenjob arbeiten, noch viel besser mit diesem Gefühl vertraut. Denn ein Zweitjob bedeutet nicht nur eine Doppelbelastung, sondern ist unter anderem auch im Hinblick auf den Urlaub oft viel schwieriger planbar. Immerhin muss ein Minijobber sich mit zwei verschiedenen Kollegenkreisen und mit zwei unterschiedlichen Chefs abstimmen.

Doch auch für Menschen mit Nebenjob sorgt das Arbeitsrecht dafür, dass der Urlaub nicht nur Wunsch bleibt, sondern handfeste Wirklichkeit wird – die Erholung gehört eben zum Berufsleben jedes Arbeitnehmers in Deutschland dazu. In dieser Zeit werden die Akkus aufgeladen, findet sich Zeit für Kinder und Familie, kann man die Seele baumeln lassen oder sich ins Abenteuer stürzen und so der Alltagsroutine entfliehen. Auf diese Erholung hat entsprechend dem deutschen Arbeitsrecht ausnahmslos jeder Arbeitnehmer einen Anspruch.

In diesem Artikel finden Sie eine Zusammenstellung, welche Regelungen das Arbeitsrecht im Hinblick auf den Urlaub vorsieht. Alle Regelungen gelten, nebenbei gesagt, nicht nur für hauptberufliche Arbeitsverhältnisse, sondern auch für alle Nebenjobs, für die ein Arbeitsvertrag geschlossen wurde.

Was sagt das Arbeitsrecht: Hat jeder einen Urlaubsanspruch?

Ausnahmslos jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Urlaub – das heißt, dass der Arbeitnehmer für Erholungszwecke freigestellt wird, aber sein Gehalt unverändert weiter gezahlt wird.

Die Mindestansprüche, die, wie gesagt, jeder Arbeitnehmer, auch Teilzeitbeschäftigte und Minijobber haben, sind im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) festgelegt. Das Gesetz heißt eigentlich vollständig „Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer“: Keinem Arbeitgeber wird verboten, seinen Angestellten einen längeren Erholungsurlaub zu gewähren.

Tipp Am besten ist es, wenn Sie in Ihrem Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder in einer eventuell bestehenden Betriebsvereinbarung nachsehen, wie viel Urlaub Ihnen faktisch zusteht.

Wartezeit: Ab welchem Zeitpunkt besteht Urlaubsanspruch?

Es liegt auf der Hand, dass der volle Anspruch nicht vom ersten Arbeitstag an besteht: Den Anspruch darauf, Ihren Jahresurlaub nehmen zu dürfen, haben Sie erst nach Ablauf einer Wartezeit von sechs Monaten „erarbeitet“. Trotzdem erwerben Sie während dieser Wartezeit bereits Ansprüche: Für jeden Monat, in dem Sie bei Ihrem neuen Arbeitgeber tätig sind, haben Sie Anspruch auf 1/12 des Jahresurlaubs – so sieht es das Arbeitsrecht vor.

Während des ersten halben Jahres in einem neuen Job besteht also noch kein Anspruch darauf, den vollen Jahresurlaub zu nehmen. Anteilmäßig aber ist die Beantragung von Urlaub ohne Frage möglich. Wer beispielsweise drei Monate in einem neuen Job gearbeitet hat, kann anteilig 3/12 des Jahresurlaubs nehmen. Sofern sich bei der Berechnung Bruchteile ergeben, wird ein halber Tag auf einen vollen Urlaubstag aufgerundet.

Wie viel Urlaub steht Ihnen gesetzlich mindestens zu?

24 Werktage – so hoch liegt laut § 3 Bundesurlaubsgesetz der gesetzliche Mindestanspruch auf bezahlten Urlaub. Wichtig ist, dass als Werktage alle Tage einer Woche außer Sonntage und gesetzliche Feiertage gelten – also 6 Wochentage (Montag bis Samstag). 24 Urlaubstage stehen also nur Arbeitnehmern zu, die in einer 6-Tage-Woche arbeiten.

24 Urlaubstage bei 6 Werktagen bedeutet umgerechnet, dass ein gesetzlicher Anspruch auf vier Wochen Urlaub im Jahr besteht. Sofern im Betrieb nicht an 6 Wochentagen gearbeitet wird, sondern nur in einer 5-Tage-Woche, wird der gesetzliche Anspruch von Werktagen in Arbeitstage umgerechnet. Wenn sechs Werktage 24 Urlaubstagen entsprechen, ergeben sich aus fünf Arbeitstagen pro Woche 20 Urlaubstage pro Jahr.

Die Umrechnung ist nicht schwer: Multiplizieren Sie die Anzahl der Arbeitstage in der Woche mit 4 (Wochen gesetzlicher Mindesturlaub) und im Ergebnis erhalten Sie die Anzahl Ihrer Urlaubstage:

4 Wochen gesetzlicher Mindesturlaub x 5 Arbeitstage pro Woche = 20 Urlaubstage (4 x 5 = 20)

Da gerade bei Nebenjobs in der Regel nicht an fünf oder sechs Tagen in der Woche, sondern oftmals nur an ein bis drei Tagen wöchentlich gejobbt wird, haben wir eine kleine Tabelle zur Umrechnung angefertigt:

Arbeitstage pro Woche Urlaubstage pro Jahr
6 24
5 20
4 16
3 12
2 8
1 4

Wichtig Die Urlaubstage, die Sie hier ablesen, gelten nur für den Fall, dass in Ihrem Betrieb lediglich der gesetzliche Mindesturlaub gewährt wird. Sofern laut Arbeits- oder Tarifvertrag ein höherer Urlaubsanspruch besteht, haben Sie einen entsprechend längeren Anspruch. Dieser lässt sich ganz einfach mit der bewährten Urlaubsumrechnungsformel ermitteln.

Können Sie frei entscheiden, wann Sie Urlaub nehmen?

Völlig frei ist Ihre Entscheidung keinesfalls. Denn Sie „nehmen“ Ihren Urlaub nicht einfach, sondern er wird Ihnen von Ihrem Arbeitgeber gewährt. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass Ihr Arbeitgeber willkürlich darüber entscheiden kann, ob er Ihrem Urlaubswunsch zustimmt oder nicht. Sie stellen also einen Urlaubsantrag, den Sie Ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung vorlegen – am besten schriftlich.

Wenn Sie einen Urlaubsantrag gestellt haben und dem keine dringenden betrieblichen Gründe oder die Belange von „sozial schutzwürdigeren“ Kollegen widersprechen, muss Ihr Arbeitgeber den Urlaub wie von Ihnen gewünscht genehmigen.

Tipp Die betrieblichen Belange müssen tatsächlich „dringend“ sein, die Wünsche des Arbeitnehmers sind keinesfalls nebensächlich: Die Rechtsprechung sieht die Urlaubswünsche der Beschäftigten durchaus als vorrangig gegenüber betrieblichen Interessen.

Was Sie niemals machen dürfen ist, in Eigenregie Ihren Urlaub zu planen und anzutreten. Eine solche Selbstbeurlaubung ist ein handfester Kündigungsgrund.

Was machen Sie, wenn Ihr Chef den gewährten Urlaub widerruft?

Einmal gewährter Urlaub ist in der Regel unwiderruflich. Die Gründe, die ein Arbeitgeber hierfür anführen müsste, sind eher theoretischer Natur, so dass ein Widerruf unzulässig ist. Dennoch müssen Sie beachten, dass, wenn Ihr Chef die bereits erteilte Genehmigung zurückzieht, Sie den Urlaub zunächst einmal nicht antreten dürfen, sondern dies gegebenenfalls vor dem Arbeitsgericht durchsetzen müssen.

Darf Ihr Chef Ihnen vorschreiben, wann Sie Urlaub nehmen müssen?

Ja, das darf er tatsächlich. Zu Beginn eines Jahres hat der Arbeitgeber das Recht, einen Betriebsurlaub für seine Beschäftigten zu bestimmen und diese Vorgabe ist entsprechend für alle Angestellten verbindlich. Allerdings darf höchstens 3/5 vom bestehenden Urlaubsanspruch auf diese Art vorgeschrieben werden; der Rest muss den Beschäftigten zur freien Planung bleiben.

Wie wirkt es sich auf den  Urlaubsanspruch aus, wenn Sie während des Urlaubs krank werden?

Wenn Sie nach dem Urlaubsantritt krank werden und dies Ihrem Arbeitgeber durch ein ärztliches Attest nachweisen, tauschen Sie im Prinzip Krankheitstage gegen Urlaubstage. Denn ab diesem Tag sind Sie formell nicht mehr im Urlaub, sondern krank: Diese Krankheitstage werden nicht auf Ihren Jahresurlaub angerechnet.

Wichtig Der Urlaub, den Sie ursprünglich eingereicht haben, verlängert sich nicht automatisch durch Ihre Krankheit. Wenn Sie nach Ihrer Gesundung die „verpassten“ Tage dranhängen möchten, müssen Sie dies mit Ihrem Arbeitgeber abklären.

Lässt sich der Urlaubsanspruch auch auf das nächste Jahr übertragen?

Im Grundsatz muss der Urlaub im jeweiligen Kalenderjahr genommen werden, anderenfalls verfällt der Anspruch auf den Resturlaub. Eine Übertragung des Urlaubsanspruchs auf das Folgejahr ist arbeitsrechtlich nur in Ausnahmefällen (wenn nämlich persönliche oder betriebliche Gründe dem entgegenstehen) möglich und nur bis höchstens zum 31. März erlaubt. Danach verfällt der Resturlaub endgültig, allerdings kann der Arbeitgeber auch keine betrieblichen oder persönlichen Gründe für die Nichtgewährung Ihres übertragenen Resturlaubs anführen.

Wenn es also auf das Ende des Jahres zugeht und Ihnen noch Urlaubstage zustehen, die Sie bisher nicht genommen haben, sollten Sie sich umgehend mit Ihrem Arbeitgeber in Verbindung setzen.

Das gilt übrigens auch für den Fall, dass Sie sich noch in der oben beschriebenen Wartezeit befinden. In diesem Fall steht Ihnen entsprechend der Teil (1/12 pro Beschäftigungsmonat) zu, der sich aus Ihrer bisherigen Beschäftigungsdauer ergibt.

Welchen Urlaubsanspruch haben Sie, wenn Sie nur noch in der ersten Jahreshälfte (also bis zum 30.6.) beschäftigt sein werden?

Wer vor dem ersten Juli, also innerhalb der ersten Jahreshälfte, aus dem Unternehmen ausscheidet, dessen Anspruch berechnet sich für dieses Kalenderjahr anteilig. Das gilt auch für den Fall, wenn wie beschrieben, die halbjährige Wartezeit nach dem Neueintritt ins Unternehmen bereits abgelaufen ist. Die Berechnung des anteiligen Anspruchs ist jedoch die gleiche wie innerhalb der Wartezeit nach der Neueinstellung: Für jeden Beschäftigungsmonat stehen Ihnen 1/12  Ihres Jahresurlaubs zu.

Was passiert im Fall einer Kündigung mit dem Resturlaub?

Auch hier gibt es im Arbeitsrecht eine klare Regel: Im Bundesurlaubsgesetz ist vorgeschrieben, dass, wenn Sie zum Zeitpunkt der Kündigung noch Resturlaub haben, diesen aber vor Ihrem Ausscheiden nicht mehr nehmen können, dieser Resturlaub „abgegolten“ – also ausbezahlt - werden muss.

Können Sie sich Ihren Urlaubsanspruch ausbezahlen lassen?

Normalerweise ist im Arbeitsrecht nicht vorgesehen, dass Sie Ihren Urlaub nicht nehmen, sondern ihn sich in barer Münze auszahlen lassen: Urlaub soll der Erholung dienen und nicht gegen Geld eingetauscht werden. Dennoch kommt es mitunter vor, dass Ihnen zustehenden Tage nicht genommen werden können (wie im Beispiel oben beschrieben). In diesem Fall können Sie sich Ihren offenen Anspruch gegen Bares „abgelten“ lassen. Wie viel Geld Sie bekommen, berechnet sich anhand einer Umrechnungsformel. Dabei wird das letzte Kalendervierteljahr, also die letzten 13 Wochen, zugrunde gelegt. Gerechnet wird wie folgt:

Monatsgehalt x 3 Monate : 13 Wochen = Wöchentliches Gehalt

Wer in einer 5-Tage-Woche arbeitet, teilt anschließend das Wochengehalt durch 5 und erhält damit den Wert eines Urlaubstages, bei einer 6-Tage-Woche wird durch 6 geteilt.

Beispiel: Sie arbeiten im Nebenjob an zwei Tagen in der Woche und erhalten dafür 440 Euro monatlich. Ihre Kollegen haben eine 5-Tage-Woche und einen jährlichen Urlaubsanspruch von 30 Tagen. Entsprechend stehen Ihnen laut Urlaubs-Umrechnungsformel 12 Tage (30 : 5 x 2) Jahresurlaub zu. 9 Tage hiervon haben Sie bereits genommen, 3 Resturlaubstage verbleiben, die Ihnen Ihr Arbeitgeber auszahlt. Den Wert eines Urlaubstages errechnen Sie entsprechend der oben stehenden Formel mit den folgenden zwei Schritten:

440 Euro x 3 Monate : 13 Wochen = 101,54 Euro wöchentliches Gehalt

Da Sie an zwei Tagen in der Woche arbeiten, wird Ihr wöchentliches Gehalt durch zwei Tage dividiert: 

101,54 Euro : 2 Tage = 50,77 Euro ist der Wert eines Urlaubstages

Ihnen steht also eine Urlaubsabgeltung in Höhe von 50,77 Euro x 3 Resturlaubstage = 152,31 Euro zu.

Tipp Auch wenn Ihr Chef anderer Meinung sein sollte: Eine solche Urlaubsabgeltung muss Ihnen Ihr Arbeitgeber auch dann zahlen, wenn Ihnen fristlos gekündigt wurde

Wo liegt der Unterschied zwischen Urlaubsentgelt und Urlaubsgeld?

Urlaubsentgelt, also quasi die Weiterzahlung des Gehalts während freien Tage, steht jedem Arbeitnehmer zu. Der Wert des Urlaubsentgelts berechnet sich, wie oben beschrieben, genauso wie der Wert eines Urlaubstages, als Bemessungsgrundlage dient der Durchschnittsverdienst des letzten Quartals, also der der letzten 13 Wochen.

Auf Urlaubsgeld dagegen besteht laut Arbeitsrecht kein gesetzlicher Anspruch. Dies kann eventuell im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag vereinbart sein. Sofern in Vollzeit beschäftigte Kollegen einen solchen Anspruch haben, haben auch alle Minijobber und Teilzeitkräfte im Betrieb Anspruch auf Urlaubsgeld – auch hier gilt: Gleiches Recht für alle.

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